GESCHICHTEN ZUHÖREN

Manchmal braucht es lediglich eine Form, in die engagierte Menschen am Ende „nur“ noch etwas hineinlaufen lassen müssen. So war es auch mit der Idee ungewöhnliche Gastronomieangebote in das diesjährige Kulturprogramm der Stadt aufzunehmen.

Unter dem Slogan „Gastronomie erleben“ laden in diesem Jahr Lederwaren Steck, die Buchhandlung Bindernagel und Jochen Ruths vom gleichnamigen Modehaus zu ungewöhnlichen Gastronomieerlebnissen ein.

Jochen Ruths hat jetzt den Anfang gemacht und Ende August gemeinsam mit Bernd Appel zu einem kulinarischen Essen ins Karl-Wagner-Haus in Friedberg eingeladen. Ein Haus, dass Menschen aus dem Wetteraukreis, die sich in besonderen sozialen Schwierigkeiten befinden Unterstützung bietet. Aber auch Menschen, ohne feste örtliche Bindungen und klassische Durchwanderer sind im Karl-Wagner-Haus willkommen.

 

Mit der Idee ging Jochen Ruths schon länger schwanger und tauschte sich darüber auch immer mal wieder mit Bernd Appel, dem langjährigen Küchenchef und guten Geist des Hauses, darüber aus. Doch nun schien die Zeit reif und Jochen Ruths konnte jetzt nicht nur Initiator sein, sondern auch ein Beitrag zum Menü beisteuern. Er schoss einen Bock und das ist nicht im übertragenen Sinne zu verstehen, sondern tatsächlich erlegte der mittlerweile zum Jäger ausgebildete Modehausbetreiber, einen Rehbock, den Bernd Appel schmackhaft für ein kleines Buffet zubereitete. Zuvor gab es einen Wildkräutersalat, ein kaltes Gurkensüppchen und zur Abrundung Zwetschgengrambel mit Vanilleeis.

 


Die Mischung macht`s – das traf auch auf die Gäste dieses Abends im Karl-Wagner-Haus zu. Jochen Ruths hatte rund 20 Menschen aus seinem Umfeld eingeladen, die aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern kamen, aber eines verband: alle hatten das Karl-Wagner-Haus noch nie betreten. Doch Jochen Ruths lockte sie mit der Verheißung „Menschen zusammenführen, Gespräche anstiften, Sichtweisen austauschen, Geschichten zuhören“. Und es funktionierte. Auch wenn am Anfang Berührungsängste beim Aufeinandertreffen solch unterschiedlicher Lebenswelten natürlich sind, lösten die sich im Laufe des Abends immer mehr auf. Und was entstand: Gute Gespräche und die Erkenntnis, dass es sich lohnt, Vorbehalte zu überwinden. Und sogar noch etwas mehr. Tatjana von Derschau, Gast und Imkerin erfuhr im Gespräch, dass es im Karl-Wagner-Haus auch eine kleine Holzwerkstatt gibt, in der u.a. auch Fledermauskästen gebaut werden. Eine kurze Besichtigung und schon war für die Naturschützerin klar: Hier würde ich gerne mal einen Tag mitarbeiten.“ Von Seiten des Karl-Wagner-Haus sei das kein Problem versprach Michael Erlenbach, der für den gesamten Bereich „Menschen in Notlagen“ zuständig ist. Jetzt freut sich Tatjana von Derschau schon auf ihre Hospitanz und ist gespannt was die handwerklich, aber auch menschlich daraus mitnehmen wird.


Das nächste ungewöhnliche Gastronomieangebot findet in der Buchhandlung Bindernagel statt. Literaturtafel, heißt das neue Format, mit dem literarische und kulinarische Häppchen serviert werden. Der Anfang macht das Buch „Hering und Lakritze“ am 11. Oktober in der Buchhandlung. Hier gibt es auch die Karten.